Warum Fischbestimmung unter Wasser anders ist
Vögel zu bestimmen ist schwierig. Rifffische zu bestimmen kann unmöglich erscheinen: Hunderte von Arten am selben Riff, viele mit Farben, die sich mit Alter und Geschlecht verändern, ständig in Bewegung, mit nur einer Stunde Grundzeit und ohne Tasche für das Feldhandbuch.
Der Trick ist derselbe, den Ornithologen für Vögel verwenden: zuerst die Familie lernen. Ein Kardinal, den man als Art nicht erkennt, erkennt man noch als Kardinal — das Rotmuster, den Kamm, die Schnabelform. Das sagt einem, welche Familie man im Feldhandbuch nachschlagen soll. Dasselbe gilt für Fische.
Es gibt etwa 35 Fischfamilien, denen ein Tropentaucher wiederholt begegnen wird. Das Erlernen, diese Familien zu identifizieren — ihre Silhouette, ihr Verhalten, ihre typischen Farben — ist nützlicher als das Auswendiglernen von 500 Artnamen.
Die zehn häufigsten Familien
Falterfische (Chaetodontidae) — Klein, sehr bunt, immer paarweise oder zu dritt, mit kleinem röhrenförmigem Maul. Fast immer paarweise.
Kaiserfische (Pomacanthidae) — Größer als Falterfische, mit einem Stachel an der Basis des Kiemendeckels. Jungtiere haben völlig andere Muster als Adulte.
Lippfische (Labridae) — Die größte Rifffischfamilie. Wechselnde Farben, immer in Bewegung, typischerweise neugierig auf Taucher. Viele Arten sind Putzer.
Papageifische (Scaridae) — Leicht erkennbar am fusionierten Schnabel zum Abschaben von Korallen. Ihr Fressgeräusch ist unter Wasser hörbar. Ihr Kot ist weißer Strandsand.
Doktorfische (Acanthuridae) — Ovale Körper, meist auffällig gefärbt. Der Name kommt von dem scharfen Stachel am Schwanzstiel.
Zackenbarsche (Serranidae) — Raubfische mit großem Maul, häufig auf Korallen ruhend.
Wie man lernt: die Tauchgang-Methode
Die Fischbestimmung verbessert sich dramatisch mit einer bestimmten Methode: eine Familie pro Tauchgang auswählen. Bei diesem Tauchgang schaut man nur Falterfische an. Beim nächsten nur Kaiserfische. Nach zehn Tauchgängen mit dieser Methode erkennt man die zehn Familien automatisch.