Wichtiger Hinweis
Dieser Inhalt ist allgemeine pädagogische Information. Absolvieren Sie stets eine ordnungsgemäße Erste-Hilfe-Ausbildung (EFR, DAN DEMP). Im Notfall sofort den lokalen Rettungsdienst rufen. DAN (Divers Alert Network) ist bei Tauchunfällen die erste Anlaufstelle.
Erste
Hilfe.
Grundkenntnisse der Ersten Hilfe für Taucher können Leben retten. Dieser Leitfaden behandelt die häufigsten Notfälle — was zu tun und was zu lassen ist.
Dekompressionskrankheit (DCS)
Dekompressionskrankheit tritt auf, wenn im Gewebe gelöster Stickstoff bei zu schnellem Aufstieg Blasen bildet. Es gibt zwei Typen: Typ I (muskuloskeletal, Haut) und Typ II (neurologisch, kardiopulmonal).
Symptome — treten meist innerhalb von 6 Stunden auf:
- Gelenk- oder Muskelschmerzen ("the bends"), besonders Schultern, Ellbogen, Knie
- Extreme Erschöpfung, Schwäche
- Hautausschlag, Juckreiz, marmorierte Flecken (Mottling)
- Taubheit, Kribbeln, Lähmung (DCS Typ II)
- Atemnot, Brustschmerzen
- Übelkeit, Erbrechen, Schwindel
- Bewusstlosigkeit (kritischer Notfall)
Sofortbehandlung:
- Sofort lokalen Notruf und DAN anrufen
- 100% Sauerstoff über Nicht-Rückatmungsmaske verabreichen, falls verfügbar
- Patient liegend halten (stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit)
- Wasser trinken lassen, falls bei Bewusstsein und schluckfähig
- Den betroffenen Taucher NIEMALS erneut tauchen lassen
- Dringend in Druckkammer transportieren
Barotrauma
Barotrauma entsteht, wenn Lufträume im Körper Druckveränderungen nicht ausgleichen können. Die häufigsten Arten beim Tauchen:
- Mittelohr-Barotrauma: Am häufigsten. Ohrschmerzen beim Abstieg durch Unfähigkeit zum Druckausgleich. Abstieg stoppen, leicht aufsteigen, sanftes Valsalva-Manöver versuchen. Bei Fortbestehen: Tauchgang abbrechen. Niemals mit starker Nasenverstopfung tauchen.
- Nasen-Neben-Höhlen-Barotrauma: Gesichtsschmerzen beim Auf-/Abstieg. Wie Ohren behandeln — stoppen und ausgleichen. Kann bei Fortbestehen ärztliche Versorgung erfordern.
- Lungen-Barotrauma / Überexpansion: Schwerster Typ. Tritt beim Luftanhalten während des Aufstiegs auf. Kann zu Pneumothorax, arterieller Gasembolie (AGE) führen — lebensbedrohlicher Notfall. Symptome: Brustschmerzen, Atemnot, Bluthusten, neurologische Symptome. Behandlung: Sauerstoff, medizinischer Notfall, Druckkammer.
Die goldene Regel: Niemals unter Wasser die Luft anhalten. Immer kontinuierlich atmen.
Meerstiergifte
Quallen
Sichtbare Tentakel ohne Reiben entfernen (Handschuhe oder Karte verwenden). Mit Salzwasser spülen (kein Süßwasser, kein Essig bei den meisten Arten). Sehr heißes Wasser (45°C) kann Schmerzen lindern. Bei schwerer Reaktion oder potenziell tödlichen Arten (Physalia, Chironex) ärztliche Hilfe suchen.
Rotfeuerfisch / Skorpionfisch
Die betroffene Stelle 30-90 Minuten in sehr heißes Wasser (45°C) tauchen — Hitze denaturiert das Proteinvenom. Sichtbare Stacheln entfernen. Arzt aufsuchen. Sekundärinfektionsrisiko beachten.
Seeigel
Stacheln nicht gewaltsam entfernen — sie brechen ab. In heißem Wasser einweichen. Arzt für professionelle Entfernung aufsuchen. Kalkstacheln werden meist resorbiert; Giftstacheln bestimmter Arten müssen entfernt werden.
Stachelrochen
Platzwunde + Gift. Sehr heißes Wasser (45°C) gegen das Gift. Wundblutung stillen. Dringend Arzt aufsuchen — Stachelrochen-Verletzungen sind ernst und infektionsgefährdet. Der Stachel kann in der Wunde abbrechen.
Beinahe-Ertrinken und Notfall-Sauerstoff
Beinahe-Ertrinken: Jeder Taucher, der mit beeinträchtigter Atmung aus dem Wasser gerettet wurde, ist als medizinischer Notfall zu behandeln — auch wenn er zunächst gut aussieht. Sekundäres Ertrinken kann Stunden später eintreten.
- Sofort Notruf absetzen
- Reanimation beginnen, falls keine Atmung und kein Puls
- Patient warm halten (Unterkühlung ist eine häufige Komplikation)
- 100% Sauerstoff verabreichen, falls verfügbar
- Ins Krankenhaus zur Beobachtung transportieren, auch bei scheinbarer Erholung
Notfall-Sauerstoff: 100% Sauerstoff ist die Erstbehandlung bei fast allen Tauchnotfällen — DCS, AGE, Beinahe-Ertrinken. Verantwortungsbewusste Tauchbasen und -boote sollten Sauerstoffausrüstung vorhalten und geschultes Personal haben.
Der DAN DEMP-Kurs (Dive Emergency Management Provider) lehrt den korrekten Einsatz von Notfall-Sauerstoffgeräten und wird allen aktiven Tauchern empfohlen.
Wann DAN anrufen
DAN (Divers Alert Network) betreibt eine 24/7-Notfallhotline mit Ärzten für Hyperbärmedizin. DAN kontaktieren bei:
- Jedem Verdacht auf DCS oder AGE
- Neurologischen Symptomen nach dem Tauchen
- Bedarf, die nächste Druckkammer zu lokalisieren
- Unsicherheit, ob ein Symptom tauchbezogen ist
DAN Europa: +39 06 4211 5685
DAN Americas: +1 (919) 684-9111 (Notfall)
DAN Asien-Pazifik: +61 8 8212 9242
Erwägen Sie einen DAN-Tauchversicherung — deckt medizinische Evakuierung, Druckkammerbehandlung und Krankenhausaufenthalte bei Tauchunfällen ab.
Notfallvorbereitungskurse
EFR (Emergency First Response), Rettungstaucher und DAN DEMP sind die empfohlenen Kurse für alle aktiven Taucher. Nicht durch Bildungsführer ersetzbar.