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Bericht · dive guide

Tec-Tauchen: Dekompressionsmanagement

December 10, 2025 2 min read

Das Dekompressionsproblem

Atmet ein Taucher in Tiefe komprimiertes Gas, löst sich Inertgas (Stickstoff in Luft und Nitrox; Helium in Trimix) nach Henry'schem Gesetz in Blut und Gewebe — die gelöste Menge ist proportional zum Partialdruck. In der Tiefe ist dieser Partialdruck erhöht, also löst sich mehr Gas.

Beim Aufstieg muss das gelöste Gas wieder aus der Lösung. Ist der Aufstieg langsam genug, diffundiert das Gas durch Gewebe und Blut in die Lunge und wird ausgeatmet. Ist der Aufstieg zu schnell oder die Gesamtsättigung zu hoch, entweicht das Gas schneller, als der Körper es abgeben kann — und bildet Blasen in Blut und Gewebe. Das ist die Dekompressionskrankheit (DCS), mit Symptomen von Gelenkschmerzen über Lähmungen bis Tod.

Kompartiment-Modelle

Die Dekompressionswissenschaft nutzt mathematische Modelle von Gewebekompartimenten — theoretischen 'Geweben' mit verschiedenen Gas-Sättigungs- und Entsättigungsraten —, um vorherzusagen, wie viel Gas in welchem Gewebe zu welchem Zeitpunkt des Tauchgangs gelöst ist.

Das Bühlmann-ZHL-16C-Modell (1983 vom Schweizer Physiologen Albert Bühlmann erstmals veröffentlicht) ist die Grundlage der meisten modernen Tauchcomputer-Algorithmen. Es definiert 16 Gewebekompartimente mit Halbwertszeiten von 4 Minuten (schnelle Gewebe wie Blut) bis 635 Minuten (langsame Gewebe wie Knochen).

Tiefen der Dekompressionsstopps

Modernes Tec-Tauchen nutzt Gradientenfaktoren — eine Modifikation des Bühlmann-Modells, die einen konservativen Faktor auf die M-Werte anlegt. Ein GF 80/80 bedeutet: Stopps werden Pflicht, wenn die Gewebesättigung 80 % des theoretischen Maximums erreicht.

Typische Dekompressionen im Tec-Tauchen enthalten Stopps auf:

  • Tiefstopps (bei 50-70 % der geplanten Maximaltiefe, wenn Deep-Stop-Modell)
  • 6 Meter (20 ft): Haupt-Dekostopp vieler Tec-Tauchgänge; 50 % O2 oder 100 % O2 beschleunigen hier die Entsättigung drastisch
  • 3 Meter (10 ft): zusätzlicher Stopp für Konservativität

Gaswechsel zur Dekompressionsbeschleunigung

In der Tiefe atmet der Taucher Bodengas (meist Trimix oder Nitrox), das auf die Arbeitstiefe optimiert ist. Beim Aufstieg in die Dekostopps beschleunigt ein Wechsel auf sauerstoffreiche Mischungen (meist 50 % O2, dann 100 % O2 auf passenden Tiefen) den Stickstoffabbau dramatisch. Das kürzt die Gesamtdekozeit erheblich.

Ein Tauchgang, der auf Luft 90 Minuten Deko bräuchte, lässt sich mit 50%/100%-Gaswechseln auf 30-45 Minuten reduzieren.

Werkzeuge und Ressourcen

V-Planner (kostenlos, Desktop): Bühlmann ZHL-16C mit Gradientenfaktoren; weit verbreitet unter rekreativen Tec-Tauchern.

Shearwater Cloud: die App der Shearwater-Tauchcomputer, die faktisch zum Standard im Tec-Tauchen geworden sind.

Ratio Deco: eine empirische Deko-Planungsmethode, die einige Tec-Taucher als schnelle Rechenalternative zur vollen Computersimulation nutzen.

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