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Bericht · dive guide

Seekrankheit: Praktische Tipps für Tauchreisende

March 15, 2026 3 min read

Warum Tauchen Seekrankheit verschlimmert

Reisekrankheit entsteht durch einen Konflikt zwischen den Signalen des Gleichgewichtsorgans (Innenohr) und des Sehsystems an das Gehirn. Auf einem schwankenden Boot meldet das Innenohr Bewegung, während das Sehsystem — wenn du unter Deck auf eine feste Referenz wie eine Tauchtasche schaust — keine Bewegung registriert. Das Gehirn deutet diesen Konflikt als mögliche Vergiftung und löst Übelkeit als Schutzreaktion aus.

Für Taucher verschärft sich das Problem: Du siehst den Horizont oft schlecht (vor allem beim Aufbauen der Ausrüstung), das Boot stampft mehr als eine Personenfähre (Tauchboote halten an exponierten Riffen statt auf direkten Routen) und du bist möglicherweise von Sonne und mehreren Tauchgängen dehydriert. Ins Wasser zu gehen hilft den meisten Betroffenen fast sofort — die schwierigste Phase ist die Vorbereitung an Deck.

Pharmakologische Vorbeugung

Dimenhydrinat (Dramamine): antihistamin-basiert. 1–2 Stunden vor dem Einschiffen einnehmen. Nebenwirkung Schläfrigkeit, meist mild und für Sporttauchen akzeptabel; einige Taucher empfinden eine leichte kognitive Einschränkung. Alkohol meiden, der die sedierende Wirkung deutlich verstärkt.

Meclizin (Bonine, Antivert): für die meisten Menschen weniger sedierend als Dimenhydrinat. 1 Stunde vor der Abfahrt. Eintägige Wirkung (24 h). Wird von vielen Tauchern auf mehrtägigen Liveaboards bevorzugt.

Promethazin (Phenergan): in vielen Ländern verschreibungspflichtig; stärker sedierend. Nützlich für stark Betroffene auf langen Überfahrten (z. B. die 36-stündige Anreise nach Cocos Island). Vor Tec-Tauchgängen, wo kognitive Leistungsfähigkeit zählt, ungeeignet.

Scopolamin (Transderm Scōp): ein verschreibungspflichtiges Pflaster hinter dem Ohr, bis zu 4 Stunden vor der Reise aufgeklebt, mit 72 Stunden Wirkung. Die nützlichste Form für mehrtägige Liveaboards. Nebenwirkungen: trockener Mund, verschwommenes Sehen (besonders im Nahbereich — Instrumente in der Tiefe abzulesen kann beeinträchtigt sein).

Ingwer: Mehrere Metaanalysen bestätigen eine moderate, aber reale Wirkung gegen leichte Reisekrankheit. Ingwerkapseln (1 g) eine Stunde vor dem Einschiffen oder Ingwerbonbons während der Überfahrt. Keine Wechselwirkungen, keine Nebenwirkungen. Eine sinnvolle Ergänzung zur pharmakologischen Vorbeugung.

Vorbeugung durch Technik

Horizontsicht halten. Der wirksamste nicht-pharmakologische Ansatz. An Bord an die frische Luft — Heck oder Bug, nicht unter Deck. Augen auf den Horizont oder einen weit entfernten festen Punkt richten, nicht auf nahe Bootsoberflächen oder Ausrüstung.

Position auf dem Boot. Der niedrigste, mittigste Punkt des Bootes (mittschiffs nahe der Wasserlinie) bewegt sich am wenigsten. Bug und Flybridge verstärken die Bewegung deutlich. Suche das mittlere Deck, setze dich auf eine niedrige Bank oder die Sülle und schaue hinaus.

Bestimmte Tätigkeiten meiden. Lesen, aufs Handy schauen, mit gesenktem Kopf Ausrüstung aufbauen und nahe Objekte fixieren verstärken den vestibulär-visuellen Konflikt. Rüste vor der Überfahrt am Liegeplatz auf, nicht unterwegs.

Frische Luft und kühles Wasser. Trockene, heiße Räume unter Deck verschlimmern Übelkeit. An die frische Luft, auch bei rauer See. Ein feuchtes Tuch auf Stirn und Nacken hilft erstaunlich gut.

Richtig essen. Leerer Magen = schlimmer (Säure ohne Substrat); zu voller Magen = schlimmer in schwerer See. Optimum: eine moderate, schonende Mahlzeit 90 Minuten vor der Abfahrt. Fettige, saure oder scharfe Speisen meiden. Cracker und Bananen sind nicht ohne Grund das klassische Boot-Frühstück.

Wenn dir bereits schlecht ist

Wenn die Übelkeit aktiv ist, hilft pharmakologische Vorbeugung nur begrenzt (das Mittel braucht Zeit). Optionen:

  • Akupressurbänder (Sea-Bands): zielen auf den P6-Punkt (Neiguan) am inneren Handgelenk; moderate Evidenz für leichte Linderung; keine Nebenwirkungen; einen Versuch wert
  • Auf den Horizont konzentrieren: so flach wie möglich sitzen oder liegen und auf den fernsten sichtbaren festen Punkt schauen
  • Ins Wasser gehen: Der Einstieg ins Wasser lindert Reisekrankheit fast immer — der Bezugsrahmen wird stabil. Tauche nicht, während du aktiv erbrichst, doch sobald die Übelkeit beim Abtauchen abklingt, fühlen sich die meisten Taucher unter Wasser völlig normal.

Wichtiger Sicherheitshinweis: Nicht in den Atemregler erbrechen. Wenn dich die Übelkeit unter Wasser überrascht, drücke die Luftdusche, um das Mundstück zu klären, nimm es heraus, erbrich, klär es erneut und setze es wieder ein. Das ist erfahreneren Tauchern passiert, als sie zugeben mögen.

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