Web Analytics
Bericht · dive guide

Dekompressionskrankheit: Anzeichen, Behandlung und Prävention

December 27, 2025 2 min read

Was DCS verursacht

Wenn du in der Tiefe Pressluft atmest, löst sich Stickstoff in Blut und Geweben proportional zum Partialdruck — je tiefer (höher der Druck), desto mehr Stickstoff. Beim Aufsteigen sinkt der Druck und der gelöste Stickstoff perlt wieder aus. Ist der Aufstieg langsam genug und die Sättigung blieb innerhalb der Nullzeitgrenzen, geschieht das Ausgasen leise über die Lunge ohne Blasenbildung.

Steigt man zu schnell auf oder hat die sichere Sättigung überschritten, perlt das Gas schneller aus, als die Lunge es ausscheiden kann — es bilden sich Blasen in Blutgefäßen, Geweben und Gelenken. Das ist die Dekompressionskrankheit (DCS), umgangssprachlich 'die Bends'.

DCS-Typen

DCS Typ I (muskuloskelettal/kutan):

  • Gelenk- und Gliederschmerzen (die 'Bends' im ursprünglichen Sinn) — meist Schulter, Ellbogen, Knie
  • Hauterscheinungen: marmorierter roter Ausschlag (Cutis marmorata), Juckreiz oder lokale Schwellung
  • Lymphobstruktion mit Schwellung

Typ I ist ernst, aber bei zügiger Behandlung in der Regel nicht akut lebensbedrohlich.

DCS Typ II (neurologisch/kardiopulmonal):

  • Rückenmarkbeteiligung: teilweise oder vollständige Lähmung, Verlust der Blasenkontrolle, Taubheit in Gliedmaßen
  • Gehirnbeteiligung: Sehstörungen, Verwirrung, Kopfschmerzen, Bewusstlosigkeit
  • Innenohrbeteiligung: Schwindel, Übelkeit, Tinnitus ('Staggers')
  • Lungenbeteiligung (Chokes): Atemnot, Brustschmerzen, Husten

DCS Typ II ist ein medizinischer Notfall. Besonders neurologische Symptome erfordern sofortige Behandlung für das beste Ergebnis — verzögerte Behandlung kann zu dauerhafter Lähmung führen.

Anzeichen und Symptome: Wann sie auftreten

90 % der DCS-Fälle zeigen Symptome innerhalb von 6 Stunden nach dem Auftauchen; 50 % innerhalb der ersten Stunde. Symptome, die später als 24 Stunden nach dem Tauchen auftreten, sind selten DCS. Übliche Erscheinungsformen und Zeitpunkte:

  • Gelenkschmerz: typisch 30 Minuten bis 6 Stunden nach Tauchgang
  • Neurologische Symptome: können binnen Minuten nach Auftauchen oder bis 6 Stunden später erscheinen
  • Hauterscheinungen: meist innerhalb von 1–2 Stunden

Erste Hilfe

  1. Sofort 100 % Sauerstoff über eine Nicht-Rückatemmaske geben. Sauerstoffatmung beschleunigt die Stickstoffauswaschung deutlich und verkleinert Blasen. Deshalb muss jede Tauchbasis O₂-Notfallausrüstung mitführen.
  2. Den Taucher flach lagern — Beine nicht hochlagern (alter Rat) und nicht in Kopftieflage; horizontal ist richtig
  3. Flüssigkeit: Wenn der Taucher bei Bewusstsein ist und schlucken kann, Wasser oder Sportgetränk anbieten
  4. Nicht erneut tauchen: Ein zweiter Tauchgang verschlimmert den Zustand
  5. DAN (Divers Alert Network) über die Notfallhotline kontaktieren: bietet Echtzeit-Beratung und vermittelt Druckkammer
  6. Transport in eine Druckkammer — die Rekompression ist die endgültige Therapie. Sauerstoff bei 2,8 bar komprimiert die Blasen und beschleunigt die Stickstoffabgabe.

Vorbeugung

  • NDL mit Reserve einhalten: auf Wiederholungstauchgängen nicht ans Limit gehen
  • Langsam aufsteigen: 9–18 m/min; die meisten Computer überwachen und alarmieren
  • Sicherheitsstopp: 3 Minuten auf 5 m am Ende jedes Tauchgangs unter 10 m
  • Oberflächenintervalle: mindestens 60 Minuten zwischen rekreativen Wiederholungstauchgängen
  • Fliegen vermeiden: 12 Stunden nach einem Einzeltauchgang, 18–24 Stunden nach Wiederholungstauchgängen warten
  • Hydriert bleiben: Dehydration senkt das Blutvolumen und erhöht das DCS-Risiko
  • Anstrengung nach dem Tauchen vermeiden: Sport fördert Blasenbildung aus gelöstem Stickstoff
  • Persistierendes Foramen ovale (PFO): eine nicht verschlossene Öffnung zwischen Herzkammern, bei ca. 25 % der Menschen vorhanden, lässt venöse Blasen die Lunge umgehen und in den arteriellen Kreislauf gelangen. Taucher mit unerklärtem DCS bei konservativen Profilen sollten auf ein PFO untersucht werden.
— Ende des Berichts —
Langsam auftauchen.
§ Weiterlesen

Weitere Berichte.

Verwandtes aus dem Atlas

Berichte

Feldnotizen in Ihrem Posteingang

Ein monatlicher Editorial über Tauchziele und Meeresleben. Kein Spam, jederzeit kündbar.

Wir teilen Ihre E-Mail nie.