Der Kernunterschied
Ein Nassanzug funktioniert, indem er eine dünne Wasserschicht direkt an deiner Haut einschließt, die dein Körper erwärmt. Das Neopren isoliert diese Wasserschicht. Solange sie dünn und relativ ruhig bleibt, bleibst du warm. Wird Wasser ausgetauscht — durch schlechte Abdichtung an Hals, Handgelenken oder Knöcheln —, verlierst du schnell Wärme.
Ein Trockenanzug hält dich trocken. Eine wasserdichte Hülle (entweder komprimiertes Neopren oder ein Membranmaterial) dichtet an Handgelenk und Hals mit Latex- oder Neopren-Manschetten ab. Darunter trägst du Thermo-Unterzieher. Luft im Anzug isoliert — und da du dieses Luftvolumen kontrollierst, dient der Trockenanzug zugleich als Auftriebskörper.
Die grundlegende Trennung: Nassanzüge sind einfacher, günstiger und brauchen kein spezielles Training. Trockenanzüge sind wärmer, verlangen ein Specialty-Brevet und erfordern während des Tauchgangs mehr Aufmerksamkeit.
Stärke-Leitfaden für Neopren
Neopren-Stärke wird in Millimetern gemessen. Dicker = wärmer, aber auch steifer und auftriebsstärker (mehr Blei zum Ausgleich nötig).
- 0,5–1 mm (Lycra/Skin): tropisches Wasser über 29 °C; nur Sonnenschutz
- 3 mm Vollanzug: 24–29 °C; der Standard-'Warmwasser'-Anzug
- 5 mm Vollanzug: 18–24 °C; passend für Mittelmeer, Karibik und tropische Liveaboards in kühleren Monaten
- 7 mm Vollanzug: 14–18 °C; UK-Sommer, Pazifischer Nordwesten, tiefe Sprungschichten in tropischen Zielen
- Zweiteiler (7 mm + 5 mm Jacke): 10–14 °C; geschichtete Anzüge für redundante Isolierung
Die Passform ist entscheidend. Ein Nassanzug, der am Hals klafft, verliert sofort seine Wärmefunktion — Wasser strömt fortwährend durch und der Anzug wird zur Kältepumpe. Probiere Anzüge mit derselben Unterbekleidung an, die du beim Tauchen tragen willst.
Halbtrockene Anzüge
Ein Halbtrockener ist ein Nassanzug — meist 5–7 mm — mit verbesserten Manschetten an Handgelenk, Knöchel und Hals, die den Wasseraustausch drastisch reduzieren. Sie sind wärmer als ein Standard-Nassanzug gleicher Stärke, ohne die Komplexität eines Trockenanzugs. Für Taucher in 14–18 °C, die noch nicht in einen Trockenanzug investieren wollen, ist ein Halbtrockener ein sinnvoller Zwischenschritt.
Wann auf einen Trockenanzug umsteigen
Die Antwort variiert pro Taucher, aber als Faustregeln:
- Unter 14 °C: Ein Trockenanzug wird für Tauchgänge länger als 20–30 Minuten dringend empfohlen
- Kaltwasser-Tec-Tauchen: Trockenanzüge sind nahezu universell
- Lange Mehrtauchgang-Tage in 16–18 °C: Ein Trockenanzug hält den Wärmekomfort über 4–5 Tauchgänge pro Tag, wenn die Isolierung eines Nassanzugs durch Wasser gesättigt wird
Trockenanzug-Typen
Komprimierte Neopren-Trockenanzüge bestehen aus dickem Neopren (3–5 mm), das schon im Material thermische Isolierung bietet und Fehler beim Unterzieher verzeiht. Schwerer, weniger packbar, wärmer im Verhältnis zur Unterzieher-Anforderung. Üblich in Großbritannien und Skandinavien.
Membran-Trockenanzüge (Tri- oder Bilaminat) sind Hüllen aus wasserdichtem laminierten Stoff ohne eigene Isolierung. Die gesamte Wärme kommt vom Unterzieher. Leichter, packbarer, flexibler über mehrere Temperaturen (Unterzieher tauschen, Temperaturbereich ändern). Bevorzugt von Tec-Tauchern, die sich schnell anpassen müssen.
Trockenanzug-Training
Mit einem Trockenanzug ohne Schulung zu tauchen ist gefährlich. Die Luft im Anzug muss bei Auf- und Abstieg gemanagt werden: zu viel Luft führt zu unkontrolliertem Auftrieb; zu wenig zu einem 'Squeeze', wenn sich der Anzug zusammenzieht. Der Drysuit-Specialty-Kurs (PADI/BSAC) lehrt Tarierung mit dem Inflator und dem Auslassventil des Anzugs — beides Bedienelemente, die es beim Nassanzugtauchen nicht gibt.
Wahl des Unterziehers
Unterzieher reichen von dünnen Fleece-Einteilern (für 15–18 °C) bis zu Expedition-Thinsulate-Systemen mit getrennter Jacke und Latzhose (für unter 10 °C oder extreme Kälte). Der richtige Unterzieher zählt ebenso wie der Trockenanzug selbst — ein guter Anzug mit unzureichendem Unterzieher lässt dich frieren.
Für die meisten rekreativen Trockenanzug-Taucher in 10–15 °C ist ein mittelschwerer Unterzieher (Thinsulate 250–400 g/m² oder Äquivalent) angemessen. Britische und skandinavische Taucher verwenden häufig ganzjährig schwere Unterzieher.