Was ein Rebreather tut
Ein Standard-Atemregler (Open Circuit) funktioniert simpel: Komprimiertes Gas fließt bei Bedarf aus der Flasche; der Taucher atmet es; die Ausatemluft entweicht als Blasen durchs Auslassventil. Rund 75 % jeder Atemluft sind ungenutzter Stickstoff; auch ein großer Anteil des Sauerstoffs wird ausgeatmet. Der Gasverbrauch ist die Summe aller Atemzüge — typisch 12-20 Liter pro Minute in rekreativer Tiefe.
Ein Rebreather führt das ausgeatmete Gas im Kreis. Der Loop:
- Der Taucher atmet aus; das Gas strömt durch einen CO2-Scrubber (eine Patrone mit Atemkalk, der Kohlendioxid chemisch bindet)
- Das gereinigte Gas geht durch einen Counterlung (flexibler Beutel, der beim Ausatmen sich ausdehnt und beim Einatmen wieder zusammenzieht)
- Ein Magnetventil, gesteuert von Sauerstoffsensoren, dosiert kleine Mengen Sauerstoff, um den richtigen Sauerstoff-Partialdruck (PPO2) zu halten
- Der Taucher atmet das wiederaufbereitete, CO2-freie, sauerstoffaufgefrischte Gas
Folge: Der Gasverbrauch sinkt auf die Rate des reinen Sauerstoff-Stoffwechsels — etwa 0,5-1 Liter pro Minute statt 12-20 im Open Circuit. Ein Taucher kann 3-4 Stunden in der Tiefe verbringen mit dem Gasvorrat, der im Standard-Scuba 45 Minuten reicht.
Rebreather-Typen
Closed-Circuit-Rebreather (CCR): das oben beschriebene Vollsystem. Regelt sowohl CO2-Abbau als auch Sauerstoff-Partialdruck elektronisch. Für tiefe, lange Tauchgänge geeignet. Intensive Ausbildung und Wartung nötig.
Semi-Closed-Rebreather (SCR): einfacheres System; gibt kontinuierlich einen fixen, geringen Frischgasfluss zu. Weniger effizient als CCR, aber einfacher und günstiger.
Rekreative CCRs: für rekreative Tiefengrenzen (40 m) konzipiert. Beispiele: Poseidon MKVI, Hollis Explorer, Mares Horizon.
Technische CCRs: APD Inspiration/Evolution, JJ-CCR, rEvo, Megalodon. In qualifizierten Händen zu extremen Tiefen und Dauern fähig.
Die Vorteile
Keine Blasen: Rebreather-Taucher können sich dem Meeresleben näher annähern und natürliches Verhalten genauer beobachten. Am deutlichsten wird das bei scheuen Tieren — Seepferdchen fressen ungestört weiter; Papageifischschulen weichen nicht aus.
Verlängerte Grundzeit: 3-4 Stunden in der Tiefe verändern grundsätzlich, was möglich ist — Höhlentauchen, Mischgas-Tec und Meeresforschung profitieren enorm.
Optimale Gasmischung: Ein CCR hält automatisch den richtigen Sauerstoff-Partialdruck für die aktuelle Tiefe — man taucht quasi auf jeder Tiefe mit optimalem Nitrox.
Die Risiken
Rebreather haben eine höhere Sterblichkeitsrate pro Tauchgang als Open-Circuit. Die Ursachen sind gut dokumentiert:
- CO2-Durchbruch: Ist die Scrubber-Patrone erschöpft, falsch gepackt oder nass, wird CO2 nicht entfernt. CO2-Vergiftung führt rasch zur Bewusstlosigkeit mit kaum Vorwarnung.
- Hypoxie: Fällt der Sauerstoffsensor aus und unterdosiert das System Sauerstoff, verliert der Taucher das Bewusstsein, ohne Atemnot zu spüren.
- Hyperoxie (Sauerstoffvergiftung): Liefern die Sensoren fälschlich zu hoch und wird in der Tiefe zu viel O2 eingemischt, steigt das Krampfrisiko.
Rebreather-Ausbildung verlangt deutlich mehr Zeit und Engagement als Open-Circuit; Mindestkurse dauern meist 5-7 Tage intensiven Unterrichts. Die Pre-Dive-Checks sind nicht verhandelbar.