Warum Standardisierung zählt
Kommunikation unter Wasser ist komplett nonverbal: Gesten, Lichter, Schreibtafeln und gelegentliche Berührung sind die Werkzeuge. Das Problem: Handzeichen sind zwischen Verbänden und Regionen nicht wirklich einheitlich — ein 'OK', das bei PADI-geschulten Tauchern 'alles gut' bedeutet, kann für SSI-geschulte Taucher in manchen Ländern wie 'Auftauchen' aussehen. Die Lösung ist nicht, alle Varianten zu lernen, sondern sicherzustellen, dass jedes Buddy-Team vor jedem Tauchgang die Signale abstimmt.
Kernzeichen, die jeder Taucher kennt
Die Grundsignale, die in nahezu allen Brevet-Systemen einheitlich sind:
OK (auf Tiefe): Daumen und Zeigefinger bilden ein O, die anderen drei Finger gestreckt. Geben und zurückgeben — immer auf die Bestätigung warten.
OK (an der Oberfläche): beide Arme über dem Kopf zu einem Ring geschlossen — die für Boote aus der Distanz sichtbare Version, wenn das Handzeichen nicht erkennbar ist.
Problem / etwas stimmt nicht: flache Hand, Handfläche nach unten, hin und her gewippt (wie eine sich neigende Waage). Das löst eine Prüfung aus — der Buddy schaut nach und fragt, wo das Problem ist.
Out of Air: eine Hand, die wiederholt waagerecht über die Kehle schneidet.
Luft teilen / ich brauche deinen Wechsel: dieselbe Schneidebewegung, danach auf den Mund zeigen.
Aufsteigen: Daumen nach oben.
Abtauchen: Daumen nach unten.
Stopp / halt: offene Handfläche zum Buddy.
Komm her: Heranwinken mit einem oder mehreren Fingern.
Sieh dir das an: zwei Finger einer Hand zu den Augen, dann auf das Motiv umlenken.
Wie viel Luft? Eine Hand, fünf Finger gespreizt, an die Kopfseite gehalten (wie ein Finimeter neben dem Ohr).
Wenig Luft (50 bar): geschlossene Faust.
Reserve (50 bar) / Tauchgang umkehren: Faust nachdrücklich wiederholt oder offene Hand auf den Scheitel.
Nachttauch-Signale (lichtbasiert)
Nachts werden Handzeichen unsichtbar. Lichtsignale ersetzen sie:
- Langsamer breiter Kreis mit dem Strahl: OK
- Schnelle kleine Kreise: Notfall / Aufmerksamkeit
- Breiter langsamer Bogen auf und ab: Ich bin an der Oberfläche / Notlage (für Boote sichtbar)
- Strahl auf das Motiv, dann auf die Augen des Buddys: Schau dir das an
Leuchte niemals jemandem direkt ins Gesicht — es zerstört für mehrere Minuten dessen Nachtsicht.
Vorbesprechungen vor dem Tauchgang
Die wertvollste Kommunikation findet vor dem Tauchgang statt. Eine gute Buddy-Vorbesprechung umfasst:
- Maximaltiefe: vereinbartes Maximum — beide aussprechen, beide bestätigen
- Umkehrdruck: Druck, ab dem zurückgeschwommen wird (meist ein Drittel oder die vereinbarten bar)
- Mindestdruck zum Auftauchen: Druck, ab dem unabhängig von der Tauchzeit aufgetaucht wird
- Trennungsprotokoll: bei Trennung eine Minute auf Tiefe suchen, dann beide langsam an die Oberfläche und dort wieder zusammenkommen
- Notfallplan: wo das nächste O₂-Set ist, wo die nächste Druckkammer, wie man DAN erreicht
- Spezifische Signale für diesen Tauchgang: bei einem Nachttauchgang Lampensignale festlegen; bei neuem Spot wie Navigation kommuniziert wird
Schreibtafeln und Wrist Boards
Für komplexere Kommunikation — Artbestimmung, Fotomotive, Richtungen in einem Wrack — erlaubt eine Tauchschreibtafel (kleines weißes Brett mit Stift am Lanyard) oder ein Wrist Board schriftliche Notizen. Nützlich für:
- Tauchguides, die Gästen Artnamen mitteilen
- Fotografen, die Buddys auf Motivpositionen in komplexen Wracks lenken
- Navigationsnotizen beim ersten Tauchen eines anspruchsvollen Spots
Es gibt am Handgelenk getragene Computer mit grundlegender Textnachrichtenfunktion, sie sind aber teuer und vor allem im Tec-Tauchen üblich.
Tarier-/Kontaktzeichen in der Strömung
Beim Drifttauchen, wo der Sichtkontakt zeitweise ausfällt, wird körperlicher Kontakt wichtig. Bei schlechter Sicht oder starker Strömung:
- Ein anhaltender Druck auf die Hand des Buddys bedeutet 'OK' (mit Druck zurück bestätigen)
- Ein schneller wiederholter Druck bedeutet 'Problem' oder 'Stopp'
- Mit einem Pointer an die Flasche des Buddys klopfen ist ein verbreitetes Aufmerksamkeitssignal bei Null-Sicht